Dr. med. Stefan Neuner-Jehle

Warum ist Forschung in Allgemeiner Innerer Medizin wichtig?

Die Tätigkeit als Familienarzt fasziniert durch die Vielfalt an diagnostischen und therapeutischen Problemstellungen, die uns mit unseren Patienten begegnen. Um für diese detektivische Arbeit griffige Instrumente in der Hand zu haben, braucht es praxisorientierte Forschung. Das Erfüllende an diesem Forschungszweig ist, dass die Ergebnisse direkt am Patienten umgesetzt werden können und damit einen direkten Nutzen haben. Umgekehrt heisst das auch, dass allgemeinmedizinische Forschungsfragen nicht zu spezialisiert sein dürfen – sie bzw. die Antworten sollen die Probleme unserer polymorbiden, oft älteren Patienten abbilden und ihnen zugute kommen.

Was war der Auslöser, mich für die Forschung zu entscheiden?

Aus den Patientenkontakten in der Praxis ergaben sich Fragestellungen, zu denen es keine guten Studien gab. Da dachte ich mir, es kann doch nicht sein, dass die medizinische Forschung die Grundversorgung – sozusagen die letzte Meile der Medizin – so sträflich vernachlässigt! Die Lust auf eine Erweiterung meiner Arbeit, die Neugier und der Wille, einen Mehrwert für unsere Patienten zu generieren, motivierten mich dann, mir Forschungskompetenzen anzueignen und zusammen mit Kollegen praxisorientierte Projekte anzupacken.

Was rate ich jungen Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie in die Forschung gehen möchten?

Wie in der klinischen Medizin genügt Begeisterung alleine nicht – für ein gutes Resultat braucht es das nötige Handwerkszeug und Erfahrung.

Darum mein erster Rat: Machen Sie sich frühzeitig, am besten schon im Studium und danach in der Weiterbildungszeit, mit Forschungsmethoden vertraut – am besten anhand von praktischen Projekten (Masterarbeit, Dissertation) und in Zusammenarbeit mit den entsprechenden universitären Instituten (Institute für Hausarztmedizin, Spitalabteilungen für AIM). Scheuen Sie sich nicht, mit einer guten Idee bei forschenden Kollegen anzuklopfen!

Der zweite Rat: Forschung braucht Geduld und Beharrlichkeit, also nicht aufgeben, wenn es beim ersten Projekt nicht rund läuft.

Der dritte Rat: Forschung und klinische Tätigkeit bereichern sich gegenseitig. Bleiben Sie also möglichst in beiden Gebieten aktiv. Das ist zwar anstrengend, aber erfüllend.

Prof. Dr. med. Nicolas Rodondi

Warum ist Forschung in Allgemeiner Innerer Medizin wichtig?

Die AIM sieht eine umfassende Betreuung der Patienten vor. Diese beinhaltet die Ermittlung von Beschwerden, die Stellung einer differenzierten Diagnose und das Nachdenken über die notwendigen Untersuchungen und sieht eine langfristige Betreuung des Patienten vor. Dabei werden gezielt Therapien festgelegt, die es ermöglichen, seine Lebensqualität und seine Prognose zu verbessern. Die Kenntnisse entlang all dieser Etappen enthalten noch viele Grauzonen, in denen sich die diagnostische und therapeutische Beratung zuzeit nicht auf fundierte Kenntnisse stützen kann. Es ist notwendig, die patientenorientierte klinische Forschung zu verstärken, um die Grauzonen zu eliminieren und unseren Patienten eine bessere Betreuung bieten zu können. Vor allem bei der Behandlung von polymorbiden Patienten benötigen dringend mehr Daten. Diese Forschung lässt sich sehr gut mit der klinischen Praxis kombinieren, da sich die Forschungsfragen direkt aus der Betreuung der Patienten im Alltag ergeben.

Was war der Auslöser, mich für die Forschung zu entscheiden?

Schon als junger Assistenzarzt schien es mir wichtig, Kenntnisse zu erweitern, mit denen die Betreuung der Patienten verbessert werden kann. Allerdings wurde in jener Zeit nur die Grundlagenforschung gefördert, deren Anwendung mir aber zu weit weg vom Alltag mit den Patienten erschien. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, eine Ausbildung in der patientenorientierten klinischen Forschung zu machen. Bereits als Assistenzarzt in der Forschung lernte ich die Bedeutung eines fundierten Studiendesigns sowie den Wert von nationalen und internationalen Kollaborationen kennen.

Was rate ich jungen Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie in die Forschung gehen möchten?

Um sicher zu werden, dass man die Forschungsschiene verfolgen will, ist es wichtig, sich so schnell wie möglich (etwa während der Masterarbeit) mit der Forschung auseinander zu setzen, indem man eine Rotationsstelle in der Forschung annimmt. Eine solche Rotation bietet Gelegenheit zur Publikation von einem  oder mehreren wissenschaftlichen Artikeln bereits als junger Forscher. Diese sind wichtig, um später ein Forschungsstipendium des Nationalfonds zu erhalten und einen Forschungsaufenthalt im Ausland machen zu können. Ein Aufenthalt im Ausland ermöglicht es nicht nur, seine Kenntnisse der klinischen Forschung zu vertiefen sondern auch wichtige internationale Verbindungen zu knüpfen und ist der Königsweg für einen Kaderposten auf universitärem Level. Es ist ebenfalls wichtig, möglichst früh einen Forschungsmentor zu identifizieren – einen Kaderarzt, der einen bei der Entwicklung der Forschungsprojekte, für den Aufenthalt im Ausland und nach der Rückkehr unterstützt. Ich empfehle den jungen Kollegen von ihrer ersten Rotation, Kontakt mit dem leitenden Arzt oder anderen Kadern aufzunehmen, um schon im Voraus verschiedene Karrieremöglichkeiten zu diskutieren und einen Plan zu definieren. Ein Aufenthalt im Ausland erfordert zwei bis drei Jahre Vorbereitung. Leider richten viele junge Kollegen ihre Aufmerksamkeit vor allem auf den Abschluss der 5 Jahre FMH-Weiterbildung und stellen sich erst danach die Frage nach einer akademischen Karriere. Eine frühzeitigere Planung ist sicher empfehlenswert.

Prof. Dr. med. Oliver Senn

Warum ist Forschung in Allgemeiner Innerer Medizin wichtig?

Forschung in AIM führt zu einer Sichtbarmachung der Leistungen unseres Fachs und liefert Belege für die zentrale Rolle der AIM in unserem Gesundheitssystem. Die Akademisierung der Hausarztmedizin bietet zudem neue Karrieremöglichkeiten, die vergleichbar sind mit anderen medizinischen Fachdisziplinen.

Was war der Auslöser, mich für die Forschung zu entscheiden?

Die Erkenntnis aus dem klinischen Alltag, dass vieles in der Medizin nicht so klar ist sowie der Wunsch, mich ausserhalb des klinischen Spitalalltag mit medizinischen Fragestellungen zu beschäftigen.

Was rate ich jungen Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie in die Forschung gehen möchten?

In jedem Fall erstmal zu schnuppern, falls es Möglichkeiten gibt, an Forschungsprojekten teilzunehmen. Ziel sollte sein, dass wissenschaftliche Arbeit Freude macht. Dazu gehören das Interesse an der spezifischen Fragestellung und die Auswahl eines geeigneten Forschungsteams.

Prof. Dr. med. Andreas Zeller

Warum ist Forschung in Allgemeiner Innerer Medizin wichtig?

Gegenfrage: Wissen wir, ob das, was wir tagtäglich bei der Betreuung von Patienten tun, richtig ist?
Ziel einer bestmöglichen Behandlung ist doch, den grösstmöglichen Nutzen und gleichzeitig den kleinstmöglichen Schaden für den Patienten zu bewirken. Dies ist nur durch Forschung möglich.

Was war Auslöser, mich für die Forschung zu entscheiden?

Während meiner klinischen Arbeit erhielt ich trotz breitgefächerter Recherche widerholt keine klaren Antworten auf spezifische Fragestellungen. Deswegen versuchte ich, diese Wissenslücken wissenschaftlich anzugehen. Dabei entdeckte ich die sehr bereichernde Tätigkeit als Kliniker und Forscher.

Was rate ich jungen Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie in die Forschung gehen möchten?

Sie sollen neu- und wissbegierig sein, interessiert am Unbekannten, sehnsüchtig nach einer noch besseren Medizin, motiviert, etwas zu bewegen und auch regelmässig bereit sein, eine schöpferische Pause zu geniessen!

Initiatoren

jhas swiss-young-internists SGAIM - Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin

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